GS1 Digital Link einfach erklärt: Der Standard hinter dem neuen GS1 QR Code

GS1 Digital Link einfach erklärt: Der Standard hinter dem neuen GS1 QR Code

Die Art, wie Produkte gekennzeichnet werden, verändert sich grundlegend. Während bisher der klassische EAN-Barcode im Mittelpunkt stand, rücken heute intelligente 2D-Codes immer stärker in den Fokus. Begriffe wie GS1 Digital Link, GS1 QR Code oder GS1 Sunrise 2027 tauchen deshalb immer häufiger auf – und werfen bei vielen Unternehmen zunächst Fragen auf.

Die gute Nachricht: Hinter diesen Begriffen verbirgt sich kein völlig neues Kennzeichnungssystem, sondern eine Weiterentwicklung bestehender GS1-Standards. Ziel ist es, mit einem einzigen Code deutlich mehr Informationen bereitzustellen als bisher möglich war.

In diesem Beitrag erfahren Sie leicht verständlich, was GS1 Digital Link ist, wie der Standard funktioniert und warum Unternehmen ihre Kennzeichnungslösungen bereits heute auf zukünftige Anforderungen vorbereiten sollten.

Was unterscheidet GS1 Digital Link von einem normalen QR-Code?

Fast jeder kennt QR-Codes von Plakaten, Speisekarten oder Produktverpackungen. Meist führen sie lediglich auf eine Website.

Ein herkömmlicher QR-Code enthält beispielsweise:

https://www.unternehmen.de

Ein GS1 Digital Link folgt dagegen einer festen Struktur. Dadurch können Scanner weltweit erkennen, welche Informationen sich hinter den einzelnen Bestandteilen verbergen.

https://example.com/01/09506000134376/10/ABC123/21/987654

Die Zahlen stehen für sogenannte Application Identifier (AI).

Application Identifier Bedeutung
01 GTIN
10 Chargennummer
17 Mindesthaltbarkeitsdatum
21 Seriennummer

Durch diese weltweit standardisierte Struktur können unterschiedliche Systeme dieselben Informationen zuverlässig interpretieren. Das vereinfacht den Datenaustausch entlang der gesamten Lieferkette.

Warum wird GS1 Digital Link immer wichtiger?

Viele Verpackungen tragen heute mehrere unterschiedliche Kennzeichnungen. Ein Barcode dient der Kasse, ein QR-Code führt zur Website und ein weiterer Code unterstützt Produktion oder Rückverfolgbarkeit.

Der neue GS1-Standard verfolgt einen anderen Ansatz: Ein einziger 2D-Code soll künftig möglichst viele dieser Aufgaben übernehmen.

Die wichtigsten Vorteile im Überblick

  • ein Code für Handel, Logistik und Verbraucher
  • mehr Informationen auf kleiner Fläche
  • digitale Produktinformationen jederzeit aktualisierbar
  • bessere Rückverfolgbarkeit
  • internationale Standardisierung
  • Vorbereitung auf zukünftige gesetzliche Anforderungen
  • Grundlage für den Digital Product Passport

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass sich die Inhalte hinter dem Code ändern lassen, ohne dass der Code auf der Verpackung neu gedruckt werden muss. Unternehmen können Informationen ergänzen oder aktualisieren, während der aufgedruckte Code unverändert bleibt.

Wie funktioniert GS1 Digital Link?

Die eigentliche Funktionsweise ist überraschend einfach. Im QR-Code befindet sich lediglich die standardisierte Digital-Link-Adresse. Welche Informationen anschließend angezeigt werden, entscheidet das System im Hintergrund.

Beim Scannen wird die Adresse an einen sogenannten Resolver übergeben. Dieser erkennt, welcher Nutzer oder welches System auf den Code zugreift, und liefert die passenden Informationen aus.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Verbraucher scannt den Code mit seinem Smartphone und erhält Informationen zu Inhaltsstoffen, Allergenen oder Bedienungsanleitungen.

Ein Servicetechniker scannt denselben Code und bekommt Wartungsunterlagen oder Ersatzteilinformationen angezeigt.

Ein Logistiksystem liest wiederum automatisch Chargennummern oder Seriennummern aus.

Dadurch können verschiedene Zielgruppen denselben Code nutzen, erhalten jedoch unterschiedliche Informationen – genau abgestimmt auf ihren jeweiligen Anwendungsfall.

Weitere Informationen zum technischen Aufbau stellt GS1 Germany bereit.

Welche Informationen können mit GS1 Digital Link gespeichert werden?

Der eigentliche Mehrwert des Standards liegt nicht im QR-Code selbst, sondern in den Informationen, die darüber bereitgestellt werden können. Unternehmen entscheiden dabei selbst, welche Inhalte für unterschiedliche Zielgruppen verfügbar sein sollen.

Je nach Branche können sowohl statische als auch variable Produktdaten hinterlegt werden. Dadurch eignet sich der Standard für Lebensmittel ebenso wie für Industrieprodukte oder Medizinprodukte.

Typische Informationen hinter einem GS1 Digital Link

  • GTIN (Global Trade Item Number)
  • Chargennummer
  • Seriennummer
  • Mindesthaltbarkeitsdatum
  • Produktionsdatum
  • Bedienungsanleitungen
  • Sicherheitsdatenblätter
  • Produktzertifikate
  • Garantieinformationen
  • Ersatzteilinformationen
  • Rückrufinformationen
  • Nachhaltigkeitsdaten
  • Recyclinghinweise
  • Digitale Produktpässe

Da sämtliche Informationen über einen zentralen Webdienst bereitgestellt werden, lassen sich Inhalte jederzeit aktualisieren. Der bereits auf der Verpackung vorhandene Code bleibt dabei unverändert.

Warum spielt GS1 Sunrise 2027 eine so wichtige Rolle?

Spätestens seit der Initiative GS1 Sunrise 2027 beschäftigen sich viele Unternehmen mit modernen 2D-Codes. Ziel dieser weltweiten Initiative ist es, den klassischen Barcode schrittweise um leistungsfähige 2D-Codes zu ergänzen.

Bis Ende 2027 sollen Kassensysteme weltweit in der Lage sein, neben klassischen EAN-Barcodes auch GS1-konforme QR-Codes oder GS1 DataMatrix-Codes zu verarbeiten.

Wichtig ist dabei: Der klassische Barcode verschwindet nicht über Nacht. Vielmehr beginnt eine längere Übergangsphase, in der beide Technologien parallel eingesetzt werden.

Welche Vorteile bringt Sunrise 2027?

  • ein Code für Verkauf und digitale Informationen
  • weniger unterschiedliche Kennzeichnungen auf Verpackungen
  • mehr Transparenz entlang der Lieferkette
  • bessere Rückverfolgbarkeit
  • Grundlage für zukünftige digitale Anwendungen

Unternehmen, die ihre Kennzeichnungssysteme bereits heute vorbereiten, vermeiden später unnötigen Zeit- und Kostenaufwand.

Welche Rolle spielt der Digital Product Passport?

Mit dem Digital Product Passport (DPP) entstehen innerhalb der Europäischen Union neue Anforderungen an die Bereitstellung digitaler Produktinformationen.

Zukünftig sollen für viele Produkte Informationen über Materialien, Herkunft, Reparaturmöglichkeiten oder Recycling digital verfügbar sein.

Der GS1-Standard eignet sich hervorragend als technische Grundlage, um diese Informationen über einen einzigen QR-Code bereitzustellen.

Besonders Hersteller mit internationalen Lieferketten profitieren davon, da sie bestehende GS1-Standards weiterhin verwenden und gleichzeitig zukünftige regulatorische Anforderungen erfüllen können.

Was bedeutet das für Unternehmen?

Die Einführung moderner 2D-Codes betrifft nicht nur die Gestaltung von Verpackungen. Unternehmen sollten ihre gesamte Kennzeichnungs- und IT-Infrastruktur überprüfen.

Dabei spielen sowohl Drucksysteme als auch Scanner, Software und Datenquellen eine wichtige Rolle.

Folgende Fragen sollten Unternehmen frühzeitig beantworten

  • Können vorhandene Drucksysteme GS1-konforme 2D-Codes erzeugen?
  • Unterstützen Scanner bereits GS1 QR Codes?
  • Wie werden variable Daten wie Chargen oder Seriennummern verarbeitet?
  • Sind ERP-, MES- oder PIM-Systeme angebunden?
  • Wie wird die Druckqualität dauerhaft überprüft?

Praxisbeispiel aus der Industrie

Ein Maschinenhersteller versieht jede Maschine mit einem GS1-konformen QR-Code. Der Betreiber scannt den Code und erhält die Bedienungsanleitung. Ein Servicetechniker ruft Wartungsinformationen auf, während die Ersatzteilversorgung automatisch die Seriennummer erkennt. Alle Beteiligten nutzen denselben Code – erhalten jedoch unterschiedliche Informationen.

Weitere Informationen rund um industrielle Kennzeichnung finden Sie auch in unserem Beitrag zur industriellen Produktkennzeichnung.

Checkliste: So bereiten Sie sich auf GS1 Digital Link vor

Mit einer frühzeitigen Planung lässt sich die Einführung deutlich einfacher umsetzen.

  • ✔ Bestehende Kennzeichnung analysieren
  • ✔ Drucksysteme auf 2D-Code-Fähigkeit prüfen
  • ✔ Scanner und Lesegeräte testen
  • ✔ ERP-, MES- oder PIM-Daten bewerten
  • ✔ Variable Daten definieren
  • ✔ Druckqualität regelmäßig überprüfen
  • ✔ Pilotprojekt mit ausgewählten Produkten starten
  • ✔ Anforderungen aus Sunrise 2027 berücksichtigen

Häufig gestellte Fragen zu GS1 Digital Link

Ist GS1 Digital Link dasselbe wie ein QR-Code?

Nein. Der QR-Code ist lediglich der Datenträger. GS1 Digital Link beschreibt den internationalen Standard, nach dem die enthaltenen Produktinformationen aufgebaut werden.

Wird der EAN-Barcode 2027 abgeschafft?

Nein. Im Rahmen von GS1 Sunrise 2027 sollen Kassensysteme zusätzlich GS1-konforme 2D-Codes verarbeiten können. In den kommenden Jahren werden beide Technologien parallel genutzt.

Benötigen Unternehmen neue Drucksysteme?

Nicht zwingend. Entscheidend ist, ob vorhandene Kennzeichnungssysteme GS1-konforme QR-Codes oder DataMatrix-Codes in der erforderlichen Druckqualität erzeugen können.

Für welche Branchen eignet sich GS1 Digital Link?

Der Standard eignet sich unter anderem für Lebensmittel, Konsumgüter, Pharma, Medizintechnik, Maschinenbau, Industrie, Logistik und Handel.

Welche Vorteile bietet der Standard?

Unternehmen können Produktinformationen digital bereitstellen, Verpackungen vereinfachen, die Rückverfolgbarkeit verbessern und sich gleichzeitig auf zukünftige Anforderungen wie den Digital Product Passport vorbereiten.

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