SSCC/NVE automatisch erstellen und verwalten: Doppelvergaben vermeiden

Eine Palette ist fertig, das GS1-128-Etikett wird gedruckt und automatisch eine neue SSCC bzw. NVE erzeugt. So weit, so einfach.

Schwieriger wird es, wenn mehrere Etikettenlayouts, Arbeitsplätze, Produktionslinien oder sogar verschiedene Standorte gleichzeitig Palettenetiketten drucken.

Dann reicht ein einfacher Zähler irgendwann nicht mehr. Denn eine SSCC darf nicht versehentlich mehrfach vergeben werden.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:

Wie erzeugen wir automatisch eine SSCC?

Sondern:

Wo wird der Nummernkreis zentral verwaltet und wie stellen wir sicher, dass jede Nummer nur einmal vergeben wird?

Warum die eindeutige SSCC-Vergabe so wichtig ist

Die SSCC (Serial Shipping Container Code), in Deutschland häufig noch als NVE bezeichnet, identifiziert eine logistische Einheit eindeutig. Das kann beispielsweise eine Palette, ein Karton oder eine andere Versandeinheit sein.

Die SSCC besteht aus 18 Ziffern und wird im GS1-128 mit dem Application Identifier (00) dargestellt.

Typischer Aufbau:

(00) 3 4012345 123456789 0

Vereinfacht besteht die SSCC aus:

  • Erweiterungsziffer
  • GS1-Basisnummer
  • serieller Bezugsnummer
  • Prüfziffer

Die eigentliche Herausforderung liegt häufig in der seriellen Bezugsnummer. Sie muss so vergeben werden, dass daraus zusammen mit den übrigen Bestandteilen eine eindeutige SSCC entsteht.

Solange nur ein Arbeitsplatz und ein Etikettenlayout verwendet werden, ist das relativ einfach. Sobald mehrere Stellen Nummern erzeugen, muss die Vergabe koordiniert werden.

Typisches Problem: Mehrere Druckplätze greifen auf den Nummernkreis zu

Nehmen wir ein Unternehmen mit drei Verpackungslinien.

An jeder Linie werden Paletten fertiggestellt und anschließend GS1-128-Palettenetiketten gedruckt. Alle drei Arbeitsplätze verwenden dieselbe GS1-Basisnummer.

Ein lokaler Zähler an jedem Arbeitsplatz wäre hier problematisch.

Arbeitsplatz 1 könnte beispielsweise SSCC 100025 erzeugen, während Arbeitsplatz 2 unabhängig davon ebenfalls bei 100025 angekommen ist.

Das Ergebnis:

Zwei unterschiedliche Paletten tragen dieselbe SSCC.

Technisch wurde an beiden Arbeitsplätzen korrekt gedruckt. Organisatorisch ist die Nummernvergabe trotzdem falsch.

Genau deshalb sollte vor der Umsetzung geklärt werden, wer die Hoheit über den SSCC-Nummernkreis bekommt.

Möglichkeit 1: SSCC direkt im NiceLabel Designer erzeugen

Für einfache Anwendungen kann bereits der Loftware NiceLabel Designer ausreichen.

NiceLabel kann Zähler verwenden und den zuletzt verwendeten Wert speichern. Beim nächsten Druckauftrag wird die Nummerierung an dieser Stelle fortgesetzt.

Für einen Kunden mit beispielsweise:

  • einem Druckarbeitsplatz
  • wenigen Etikettenlayouts
  • überschaubaren Druckprozessen
  • keiner komplexen ERP-Integration

kann das ein sinnvoller Einstieg sein.

Man muss also nicht aus einer einfachen Palettenkennzeichnung sofort ein großes IT-Projekt machen.

Allerdings sollte man bereits bei der Einrichtung überlegen, ob zukünftig weitere Layouts, Druckplätze oder Standorte hinzukommen.

Globale Zähler in NiceLabel

NiceLabel bietet zusätzlich globale Variablen an. Diese können von mehreren Etiketten bzw. Druckanwendungen verwendet werden.

Damit lässt sich ein gemeinsamer Zähler realisieren, auf den mehrere Druckprozesse zugreifen.

Das ist gegenüber einzelnen, unabhängig gespeicherten Zählerständen ein wichtiger Unterschied.

Bei überschaubaren Anforderungen kann deshalb auch ein zentraler globaler NiceLabel-Zähler eine passende Lösung sein.

Steigen jedoch die Anforderungen an Prozesssteuerung, Nachvollziehbarkeit oder Integration, setzen wir häufig auf eine zentrale Datenbank.

Möglichkeit 2: SSCC zentral in einer Datenbank verwalten

Eine robuste Lösung besteht darin, den Nummernkreis außerhalb des einzelnen Etikettenlayouts zu verwalten.

Wir speichern den aktuellen Zähler beispielsweise in:

  • einer Microsoft-Access-Datenbank oder
  • einem Microsoft SQL Server.

Beim Erstellen eines neuen Palettenetiketts wird der nächste freie Wert zentral abgerufen und anschließend aktualisiert.

Der entscheidende Vorteil:

Nicht das einzelne Etikett verwaltet die SSCC, sondern ein zentraler Nummernkreis.

Dadurch können mehrere Etikettenlayouts auf denselben Zähler zugreifen.

Auch mehrere Arbeitsplätze oder Produktionslinien lassen sich so kontrolliert versorgen.

SSCC eindeutig auf Werksebene vergeben

In Produktionsunternehmen gibt es häufig mehrere Verpackungs- oder Versandbereiche innerhalb eines Werkes.

Beispielsweise:

  • Produktion Linie 1
  • Produktion Linie 2
  • manueller Verpackungsplatz
  • Versand
  • Nacharbeit

Alle Bereiche müssen gegebenenfalls SSCC erzeugen.

Statt an jedem Arbeitsplatz eigene Nummernkreise einzurichten, können wir einen zentralen Zähler für das gesamte Werk verwenden.

Jeder Druckprozess fordert dann die nächste verfügbare Nummer aus derselben Quelle an.

Damit ist es unerheblich, an welchem Arbeitsplatz das Palettenetikett tatsächlich gedruckt wird.

SSCC auch standortübergreifend verwalten

Noch interessanter wird es bei Unternehmen mit mehreren Werken oder Logistikstandorten.

Angenommen, Palettenetiketten werden in Hamburg, Bremen und München erzeugt.

Auch hier können wir die Nummernvergabe zentral organisieren.

Die Standorte greifen dann auf eine gemeinsame Datenquelle beziehungsweise einen zentral gesteuerten Nummernkreis zu.

Alternativ lassen sich je nach IT- und Prozessstruktur auch getrennte Nummernbereiche für einzelne Standorte definieren.

Welche Variante sinnvoller ist, hängt unter anderem davon ab, wie ERP-System, Netzwerkstruktur und Kennzeichnungsprozesse aufgebaut sind.

Das Ziel bleibt dasselbe:

Eine SSCC darf im vorgesehenen Wiederverwendungszeitraum nicht unkontrolliert ein zweites Mal vergeben werden.

PowerForms als nächste Ausbaustufe

NiceLabel PowerForms bietet zusätzliche Möglichkeiten, wenn vor dem Etikettendruck weitere Prozessschritte erforderlich sind.

Über eine individuell aufgebaute Druckmaske kann der Mitarbeiter beispielsweise:

  1. einen Auftrag auswählen,
  2. Artikel- oder Palettendaten übernehmen,
  3. zusätzliche Angaben erfassen,
  4. eine neue SSCC anfordern und
  5. anschließend das vollständige GS1-128-Etikett drucken.

Damit wird aus einem reinen Etikettendruck ein geführter Prozess.

Der Mitarbeiter muss die SSCC weder kennen noch manuell eingeben. Sie wird im Hintergrund erzeugt.

Das reduziert nicht nur Fehleingaben, sondern macht den Ablauf für Produktion und Versand deutlich einfacher.

SSCC über JR-LEA und ERP-Prozesse erzeugen

Bei stärker integrierten Anwendungen kann die SSCC-Vergabe auch über unseren JR-LEA Connector beziehungsweise in Verbindung mit dem vorhandenen ERP-System gesteuert werden.

Das ist beispielsweise interessant, wenn der Etikettendruck aus:

  • Microsoft Dynamics 365 Business Central
  • SAP
  • einer Datenbank
  • einem Webservice
  • XML- oder JSON-Daten

angestoßen wird.

Die SSCC wird dann Bestandteil eines automatisierten Prozesses.

Beispielsweise:

ERP-Auftrag → Verpackung → SSCC erzeugen → GS1-128-Etikett erstellen → drucken → verwendete SSCC zurückmelden

Der Mitarbeiter muss sich um die eigentliche Nummernverwaltung nicht mehr kümmern.

Nicht nur erzeugen: Verwendete SSCC dokumentieren

In unseren Projekten gehen wir teilweise noch einen Schritt weiter.

Nach dem Druck können die tatsächlich verwendeten SSCC gespeichert oder an andere Systeme übergeben werden.

Beispielsweise können wir protokollieren:

  • SSCC
  • Auftragsnummer
  • Lieferscheinnummer
  • Artikel
  • Charge
  • Druckzeitpunkt
  • Arbeitsplatz oder Standort

Welche Informationen gespeichert werden, hängt vom jeweiligen Prozess ab.

Damit entsteht aus einem einfachen Zähler eine nachvollziehbare Nummernverwaltung.

Das kann besonders interessant werden, wenn später geklärt werden muss:

Welche SSCC wurde für welchen Auftrag bzw. welche Palette verwendet?

Was passiert bei einem Druckfehler?

Ein Punkt wird bei der Planung gerne vergessen: Was geschieht mit einer SSCC, wenn der Druckauftrag gestartet wurde, das Etikett aber wegen eines Druckerfehlers nicht sauber ausgegeben wird?

Soll die Nummer erneut verwendet werden?

Oder wird sie als vergeben betrachtet und die nächste SSCC erzeugt?

Solche Fragen sollten nicht erst beantwortet werden, wenn in der Produktion der Drucker streikt.

Dasselbe gilt für:

  • Nachdrucke
  • stornierte Paletten
  • neu zusammengestellte Paletten
  • Netzwerkunterbrechungen
  • parallele Druckanforderungen
  • manuelle Korrekturen

Eine zuverlässige SSCC-Verwaltung besteht deshalb nicht nur aus einem hochzählenden Zahlenfeld. Sie benötigt klare Regeln für den gesamten Lebenszyklus einer Nummer.

Welche Lösung ist die richtige?

Wir würden nicht jedem Unternehmen dieselbe technische Lösung empfehlen.

NiceLabel Designer
Sinnvoll für einen einfachen Einstieg mit wenigen Layouts und überschaubaren Druckprozessen.

NiceLabel mit zentralen/globalen Variablen
Interessant, wenn mehrere Etiketten auf einen gemeinsamen Zähler zugreifen sollen und die Anforderungen noch überschaubar sind.

NiceLabel PowerForms mit Datenbank
Sinnvoll, wenn Mitarbeiter über eine Druckmaske geführt werden und Nummern, Auftragsdaten und weitere Informationen zentral verwaltet werden sollen.

JR-LEA / ERP-Integration
Interessant für automatisierte Prozesse, mehrere Arbeitsplätze oder Standorte und eine zentrale Verwaltung der SSCC inklusive Rückmeldung und Dokumentation.

Entscheidend ist nicht, möglichst viel Technik einzusetzen.

Entscheidend ist, dass die Nummernvergabe zum tatsächlichen Ablauf in Produktion und Logistik passt.

SSCC-Vergabe gemeinsam am konkreten Prozess prüfen

Bei der SSCC-Verwaltung lässt sich häufig bereits in einem kurzen Gespräch erkennen, welche Lösung sinnvoll ist.

Wie viele Arbeitsplätze drucken? Gibt es mehrere Standorte? Woher kommen Auftrags- und Artikeldaten? Wer erzeugt heute die SSCC? Müssen verwendete Nummern zurück ins ERP?

Wir schauen uns den vorhandenen Prozess gemeinsam an und klären, ob ein einfacher NiceLabel-Zähler ausreicht oder eine zentrale Lösung sinnvoller ist.

Wenn Sie Ihre SSCC/NVE automatisch erzeugen oder bestehende Doppelvergaben vermeiden möchten, sprechen Sie uns an. Wir können uns den konkreten Ablauf direkt gemeinsam in Microsoft Teams ansehen.